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Foto: RVR/Peter Obenaus
Leben

Ganz locker am Stau vorbei

Dringend gesucht: Das Mittel gegen den Verkehrskollaps. Wahrscheinlich hilft aber nur die Kombination mehrerer Instrumente – eines davon könnte der Radschnellweg sein. Zwischen Köln und Frechen zum Beispiel.

Text: Werner Grosch

Allein von 2015 bis 2016 ist der Bestand an Fahrzeugen in Deutschland um eine Million gewachsen. Davon waren drei Viertel Pkw. Bei allen Debatten um die Mobilität der Zukunft heißt also die Gegenwart immer noch, dass fast jeder im eigenen Auto unterwegs ist. Wie sich das im Berufsverkehr auswirkt, muss man niemandem erklären. Das Land NRW indes setzt beim Kampf gegen den totalen Kollaps auch auf ein Mittel, über das selten gesprochen wird: den Radschnellweg.

Das ist der Highway für den Drahtesel, allein für Radler reserviert, breit, gut beleuchtet und ausgebaut und mit so wenigen bremsenden Schnittstellen wie möglich. Schon vor vier Jahren hat die Landesregierung Fördermittel für die vielversprechendsten Projekte zugesagt, aber die Sache kommt nur langsam in Gang. Bislang existiert erst ein gut sechs Kilometer langes Teilstück des Radschnellweges Ruhr. Aber auch im Rheinland soll es nun endlich vorwärtsgehen.

Die Planungen für eine Strecke zwischen Frechen und Köln laufen, die Federführung liegt bei der Stadt Köln. Ende vergangenen Jahres hat das Düsseldorfer Ingenieurbüro Lindschulte+Kloppe seine Arbeit aufgenommen, noch in diesem Jahr sollen die Bürger „in öffentlichkeitswirksamen Aktionen“ beteiligt werden, sagt Heribert Krichel, stellvertretender Leiter des Kölner Amtes für Straßen und Verkehrstechnik.

Der Weg soll über gut acht Kilometer von Frechen bis zur Uni Köln führen. Und sein Potenzial sei sehr groß, erklärt Krichel: „Die derzeitigen Berechnungen prognostizieren auf den einzelnen Teilabschnitten ein tägliches Radverkehrsaufkommen zwischen 2.200 bis 6.500 Fahrten. Hierbei wurde ein Verlagerungseffekt von 20 Prozent vom motorisierten Individualverkehr angenommen.“ Soll heißen: Ein Fünftel der Pkw würde von den verstopften Straßen entlang der Route verschwinden.

Ob das so eintrifft, bleibt natürlich abzuwarten. Die Radelzeit auf der geplanten Strecke soll sich gegenüber heute immerhin fast halbieren. Bei solch großem Potenzial und relativ bescheidenen Kosten – für die Strecke Köln-Frechen wird mit insgesamt 6,3 Millionen Euro kalkuliert – ist das Interesse an der Idee des Radschnellweges jedenfalls groß.

Erste Überlegungen gibt es bereits für Verbindungen von Köln nach Leverkusen und in den Rheinisch-Bergischen Kreis. Und noch in diesem Jahr will die Stadt Köln „eine Konzeptstudie für mögliche Radschnellwegverbindungen innerhalb des Kölner Stadtgebietes“ erarbeiten, kündigt Verkehrsplaner Krichel an. Außerdem solle eine Machbarkeitsstudie für eine Erschließung der Innenstadtringe beauftragt werden.

Vorbildlich
Europäisches Vorbild für den Radschnellweg ist Kopenhagen. In der dänischen Hauptstadt gibt es bereits seit 2012 ein entsprechendes Netz von 22 Kilometern Länge. Auch London hat einen „Cycle Superhighway“, und das Fahrradland Niederlande baut ebenfalls ein entsprechendes Netz auf. In Deutschland ist der „Radschnellweg Ruhr“ (RS1) am weitesten gediehen. Der RS1 soll über insgesamt 101 Kilometer von Hamm bis Duisburg führen.

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