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Hilft mit seinem reichhaltigen Fundus an Einrichtungsgegenständen Immobilienbesitzern bei Vermietung und Verkauf: Homestager Fernando Dieball in seinem Möbel-Lager. Foto: Thilo Schmülgen
Porträt

Aufhübschen für die Immobilien-Brautschau

Text: Werner Grosch

Homestaging ist eine wachsende Branche. Die professionelle Ausstattung von Häusern und Wohnungen soll den Verkaufspreis deutlich steigern können. Fernando Dieball war einer der ersten, die dieses Geschäft in Deutschland aufgebaut haben.

Eine tief reichende Dachschräge, getäfelt mit dunklem Holz, das den Raum erst richtig klein wirken lässt. PVC-Boden, Staubmäuse in der Ecke, statt warmer Ausleuchtung nur ein nackte Glühbirne an der Decke, und in der Ecke noch ein paar Habseligkeiten vom Vorbesitzer. So sieht eine Wohnung aus, in der Fernando Dieball richtig viel Arbeit hat. Eine Wohnung eben, die sich bei der Besichtigung wirklich niemand hell, modern, freundlich vorstellen kann.

Der Kölner Fernando Dieball ist Homestager, und er war einer der ersten, die dieses Metier in Deutschland etabliert haben. Seit sieben Jahren ist er aktiv in der Branche, die erst langsam hierzulande bekannt wird. Homestager sorgen dafür, dass eine Immobilie, die verkauft (bisweilen auch: vermietet) werden soll, den bestmöglichen Eindruck macht. Dafür statten sie beispielsweise eine Wohnung mit Möbeln, Leuchten, Bildern, Teppichen und Dekoration aus, manchmal gehört auch eine Teil-Renovierung dazu.

In der Regel kommen die Aufträge dafür von Maklern, die ihre Kunden von den Vorteilen der Methode überzeugt haben. Und diese Vorteile sind jedenfalls nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Homestaging und Redesign e.V. eindeutig: Eine professionell aufgehübschte Immobilie lasse sich um 10 bis 15 Prozent teurer verkaufen, heißt es bei dem Verband (s. Kasten), dem auch Dieball seit Anfang an angehört. Die Kosten hingegen liegen nach Verbandsangaben lediglich bei einem bis drei Prozent des Verkaufspreises.

Kunden im gesamten Rheinland

Dass solche Zusatzgewinne realistisch sind, steht für Dieball außer Frage. "Das ist reine Neurowissenschaft. Schließlich können Sie nachweislich auch ihr Auto teurer verkaufen, wenn sie ihm vorher eine Politur und eine Motorwäsche gegönnt haben", sagt der Einrichtungsprofi, der früher Design-Möbelhäuser mit aufgebaut hat. Heute betreut er von Köln aus Kunden im gesamten Rheinland und darüber hinaus.

Und selbst wenn die Marge nicht ganz so hoch ausfalle, sorge das Homestaging doch dafür, dass eine Immobilie sich deutlich schneller verkaufen oder vermieten lässt, und auch das sei ja ein Vorteil für den Kunden, der früher über das Geld verfügen kann oder weniger Verlust durch Leerstand einer Mietwohnung hat. "Die Kosten holen Sie immer raus", sagt Dieball.

Im Kölner Norden hat Dieball gerade ein neues, größeres Möbellager bezogen, in dem er alles vorhält, was er für die Ausstattung braucht. Dazu gehören auch ganze Küchen, Pflanzen oder Bilder. Alles stilvoll, aber geschmacklich möglichst neutral, damit niemand abgeschreckt wird, etwa durch allzu klinisch-kühles Design. Welchen Unterschied gutes Licht und ansprechende Einrichtung bedeuten, zeigen die Vorher-Nachher-Bilder, mit denen Homestager werben.

Musterwohnungen mit Möbeln Leben einhauchen

Das gilt auch für Neubauten oder gar Musterwohnungen, die rund die Hälfte von Dieballs Geschäft ausmachen. Die sind natürlich frisch und sauber, und doch wirken sie eingerichtet ganz anders. Denn der Effekt ist nicht nur ein ästhetischer, er geht weit ins Psychologische. "Die Interessenten müssen sich ihr neues Leben darin schon richtig vorstellen können", erklärt Dieball, der offen davon spricht, dass Menschen da in gewisser Weise manipuliert würden. Manipuliert, aber nicht getäuscht: "Ich rate jedem Eigentümer dringend, keine Mängel zu vertuschen!"

In den USA und Skandinavien ein lange bekanntes Geschäftsmodell

Wenn Dieball einen Auftrag annimmt, dann steht am Anfang eine Zielgruppenanalyse: Ist das eine kindgerechte Wohnung für eine Familie? Oder für Senioren, weil barrierefrei? Dann geht er mit den Augen eines Interessenten durch die Immobilie. Er deckt Schwachstellen auf und lässt sich auch das Feedback von früheren Besichtigungen geben, um zu erfahren, was potenzielle Käufer zurückgehalten hat.

In den USA und Skandinavien sind Homestager seit Jahrzehnten bekannt. In Deutschland dagegen ist es noch eine junge Branche, die auch in der Immobilienwelt selbst kritisch beäugt wurde. „Am Anfang wurde man in der Maklerwelt nicht mit offenen Armen empfangen, aber inzwischen hat sich ja der ganze Immobilienmarkt verändert, auch durch die Online-Vermarktung. Die optische Darstellung ist wichtiger geworden. Das Bewusstsein dafür, dass die Verpackung entscheidet, ist gewachsen", sagt der Homestager. Und damit wuchs auch die Branche: Der erst im Jahr 2010 von 12 Personen gegründete Bundesverband hat heute schon rund 300 Mitglieder.

Homestaging
Homestaging ist keine geschützte Berufsbezeichnung, und es gibt keine definierte Ausbildung dafür. Die meisten Akteure kommen aus der Makler- oder Einrichtungsbranche. Die Deutsche Gesellschaft für Homestaging und Redesign e.V. (DGHR) plant, ein Gütesiegel zu etablieren, mit dem seriöse Anbieter erkannt werden können. "Durch unsere Zugangsbedingungen wird Spreu von Weizen getrennt", heißt es beim Verband.

Die DGHR hat sich einen Ehrenkodex gegeben, dem sich alle Mitglieder verpflichten müssen. Der Kodex enthält unter anderem die Formel, dass keine Mängel wissentlich verdeckt werden und dass "keine Hilfsmittel wie Luftballons, Rosenblätter oder Tonkugeln als Möbelersatz verwendet werden". Außerdem vergibt der Verband die Titel "Advanced Professional" und "Master Professional", die die Teilnahme an mindestens zwei Fortbildungen und die Dokumentation einer Reihe erfolgreich abgeschlossener Projekte erfordern.

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